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Lalibela


Das alte äthiopische Imperium im Norden kam zu einem abrupten Ende, als eine wilde Kriegerin namens Queen Judith mit ihren Stämmen aus den Semien Bergen nach Axum zog und die Stadt zerstörte.
Nach einem Machtvakuum von beinahe hundert Jahren kam die Zagwe Dynastie im elften Jahrhundert an die Macht. Diese hingebungsvollen christlichen Könige übernahmen es, die verschiedenen von Judith zerstörten Kirchen wiederzubeleben und wiederherzustellen.
Es gibt nicht weniger als 1000 Kirchen allein in der Lasta Region von Lalibela. Manche sind in enormen Höhlen versteckt, während elf Meisterwerke an Kunstfertigkeit an einem Stadt zu finden sind: Lalibela, früher bekannt als Roha.
Diese elf Kirchen sind glänzende Meisterleistungen der Technik und der Architektur und werden oft “das achte Weltwunder" genannt.

Die Lalibela Kirchen sind wirklich erstaunlich, hauptsächlich aus zwei Gründen. Der erste ist die Tatsache, dass diese hochragenden Gebäude aus dem weichen, roten vulkanischen Tuff Gestein herausgeschlagen wurden, auf dem sie stehen. Folgerichtig erscheinen sie wie eine übermenschliche Schöpfung  -was das Ausmaß, die Qualität der Umsetzung und das architektonische Konzept betrifft.

Das zweite erstaunliche Merkmal ist der Standort, auf dem sie gebaut wurden. Die Zerstörung der Kirchen durch Queen Judith mag den Erbauern als Warnung gedient haben, diese Kirchen zukünftig vor neugierigen Augen und plündernden Händen feindlicher Eindringlinge zu schützen.
Wenn man sich den Kirchen von der Straße, die unten vorbeiführt, nähert, erscheinen sie fast unsichtbar vor einem Horizont, der vom 4.200 Meter hohen Gipfel des Bergs Abuna Yosef dominiert wird.
Sogar aus der Nähe betrachtet wirken sie gänzlich unauffällig, und diese Tarnung, diese Chamäleoneigenschaft ist es, die sie sicher bis zum heutigen Tag bewahrt haben.

'Lalibelas Kirchen bringen die zynischsten Pedanten zum Schweigen. Eine genaue Betrachtung aus der Nähe ist erforderlich, um das volle Ausmaß der Leistung zu würdigen, da man sich - wie bei mittelalterlichen Mysterien üblich - viel Mühe gegeben hatte, um ihre wahre Natur zu verbergen.'

Wenn ein neugieriger Geist die Schäbigkeit der heutigen Stadt Lalibela mit der Großartigkeit der Felsenkirchen vergleicht, fragt er sich notgedrungen, warum die außergewöhnliche Kunstfertigkeit, die sich beim Bau der Kirchen zeigte, nicht in irgendeiner Form auf die anderen herrschaftlichen Häuser vor Ort ‘abfärbte’.

Deswegen gibt es manche, die denken, dass die Erbauer der Steinkirchen tatsächlich woanders wohnten, aber diese Stelle wegen ihres Standorts gewählt hatten.

Die reine Großartigkeit des handwerklichen Könnens bringt andere dazu, sich zu fragen, ob sowohl Baustil wie Erbauer aus Ägypten kamen. Dies zumindest kann sehr leicht auf Grund zweier Faktoren widerlegt werden:

  1. Es gibt keine ägyptischen Gebäude in Ägypten, die den Steinkirchen ähneln.
  2. Andererseits kann die Idee für die Steinkirchen von den diversen Steinkirchen aus Tigray übernommen worden sein, die vor Jahrhunderten dort gebaut wurden. Die Tatsache, dass das Wasserversorgungssystem nach dem des Debre-Damo Klosters gestaltet wurde, lässt vermuten, dass der Ursprung der Kunst Äthiopien ist, und die Erbauer Äthiopier sind.

Nach all den Spekulationen und Legenden über die Kirchen von Lalibela, ist die Tatsache unumstritten, dass Lalibela ein geheimnisvolles Wunderwerk darstellt, errichtet von einem noblen König, und dass es einen besonderen und dauerhaften Platz im Leben der äthiopischen Christen erobert hat.


Yemrehanna Krestos
Die Kirche von Yemrehanna Krestos, ' Christus zeige uns den Weg ', liegt nordöstlich von Lalibela. Diese Kirche wurde von Yemrehanna Krestos, dem Vorgänger des Königs Lalibela gebaut.

Diese bemerkenswerte Kirche wurde in eine Höhle gebaut  unter Verwendung von Holz und Stahl, in axumitischer Bauart, und ist wegen ihrer Wandmalereien im Inneren bekannt.


Neakuto Le’ab
König Nakuto Le 'Abe, Königs Lalibelas Neffe und Nachfolger dankte im Jahr 1270 v.Chr. ab und begann, das Leben eines Einsiedlers in einer Höhle zu führen, die seither ein Kloster geworden ist.

Diese Höhlenkirche ist eine - sieben km von Lalibela entfernt auf dem Platz eines wesentlich älteren Heiligtums erbaute - einfache, aber reizvolle kleine Kirche.

Das Kloster beherbergt eine der interessantesten Sammlungen antiker Kreuze, illustrierter Handschriften und anderer Ikonen, von denen einige auf seinen Gründer Nakuto Le' Ab zurückzuführen sind.


Die vier frommen  Zagwe Könige regierten bis ins dreizehnte Jahrhundert. Dann überredete sie ein berühmter Priester, Tekla Haymanot, dazu, zugunsten eines Nachkommens der alten axumitischen Dynastie salomonischer Herkunft abzudanken.
Es ist unklar, warum sie sich von ihm überzeugen ließen, ihre Macht preiszugeben. Vielleicht waren die Zaqwe Könige einfach eher dazu prädestiniert, Einsiedler und Mönche statt Staatsmänner zu sein. Dadurch könnte ein Machtvakuum entstanden sein, das externe Angreifer begünstigte, und die Staatsgeschäfte könnten darunter gelitten haben. Was auch immer der Grund war - immerhin ermöglichte ein einzelner Priester den friedlichen Wechsel von einer Dynastie zur anderen.

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