Axum
Die modern erscheinende Stadt Axum offenbart die Erfahrungsberichten ihrer glorreichen Vergangenheit nicht auf den ersten Blick. Nichtsdestotrotz kann man hier auf den Spuren der Geschichte wandeln: herrschaftliche Häuser mit großen Steinfundamenten wechseln sich ab mit den Ruinen noch großartigerer Bauten wie Tempel, Festungen und reiche Paläste.
Die Natur schien hier archäologische Aufgaben zu übernehmen und trug durch schwere Regenfälle dazu bei, einige der lang verschütteten Schätze von Gold-, Silber- und Bronzemünzen ans Tageslicht zu bringen.
Gab es eine Zivilisation vor Axum in Äthiopien?
Yeha: Die reizvollen und hoch aufragenden Ruinen des Mondtempels von Yeha – wahrscheinlich zu Zeiten der Königin Saba vor mehr als 2.500 Jahren erbaut - datieren aus einer Epoche, die man vermutlich als Äthiopiens erste Hochkultur bezeichnen könnte.
Ob dies ein allein stehender Tempel war oder Teil einer Stadt mit anderen ähnlichen Gebäuden ist noch nicht geklärt.
Auf jeden Fall lässt die Tatsache, dass die Mauer mit exakt eingepassten Blöcken glatt polierten, gelben Kalksteins erbaut wurde - sorgfältig aufeinander geschichtet ohne die Verwendung von Mörtel - keinen Zweifel an den großartigen Fähigkeiten und der Kunstfertigkeit der beteiligten Erbauer aufkommen.
Außer dem Tempel jedoch, der ein beredtes Zeugnis der Leistungen einer Hochkultur liefert, ist wenig oder gar nichts bekannt über die Menschen, die dieses monumentale Gebäude errichteten. An dieses Geheimnis schließt sich gleich die nächste ungelöste Frage an: wie weit zurück reicht die äthiopische Zivilisationsgeschichte tatsächlich?
Obwohl Inschriften, Kunstobjekte aus Bronze und andere Artefakte seit 1909 in und um Yeha ausgegraben wurden, entdeckte man nichts, was Licht in dieses Dunkel gebracht hätte.
Das Axumitische Königreich
Axum war eine große Wirtschaftsmacht, die mit fernen Ländern wie Ägypten, Arabien, Persien, Indien, Ceylon usw. Handel trieb. Seine Exporte waren vorwiegend Gold, Elfenbein, Nashorn-Hörner, Flusspferdhäute und Sklaven. Es importierte hauptsächlich Textilien, fertige Metallwaren und Metalle, die in den ortsansässigen Handwerksbetrieben Verwendung fanden.
Vorchristliches Axum
Die in Axum errichteten Stelen kommen uns eher vor wie Blitzableiter, die in den Himmel ragen als wie Steinsäulen. Sinn und Zweck dieser ungeheuren, monolithischen Stelen kann es gewesen sein, Kraft vom Firmament in einer ritualisierten Form zu bündeln, zweifellos begleitet von gelegentlichen Opfergaben. Die meisten Obelisken haben Altäre an ihrem Sockel, die allesamt zur aufgehenden Sonne hin ausgerichtet sind. Vier tiefe Löcher in der Mitte dienten vermutlich dazu, das Opferblut aufzufangen.
Wie viele andere monolithische Bauten in Äthiopien haben sie die Form eines funktionalen Gebäudes - in diesem Fall eines neunstöckigen Turmhauses.
Von den drei höchsten Stelen steht noch eine, eine andere liegt, in Stücke zerbrochen, aber ansonsten intakt, auf dem Boden, während die dritte an ihren rechtmäßigen Ort aus Rom überführt wurde, wo sie seit der italienischen Invasion während des zweiten Weltkriegs gestanden hatte.
Nachchristliches Axum
Axum spielt immer noch eine bedeutsame Rolle unter den Anhängern der orthodoxen, äthiopischen Kirche, und zwar wegen der Kathedrale Maryam Sion.
Diese Kirche wurde auf dem ursprünglichen Standort einer viel älteren Kirche gebaut, die wahrscheinlich der von Debre Damo ähnelte und aus dem 4. vorchristlichen Jahrhundert stammte. Nur eine Plattform und die breiten Steinstufen sind erhalten geblieben. Die Kathedrale beherbergt die Kronen einiger und außerdem soll hier die heilige Bundeslade mit den zehn Geboten aufbewahrt sie: das macht Maryam Sion zum größten Heiligtum in Äthiopien.
Die Bedeutung des Mönchstums in der äthiopischen koptischen Kirche
Debre Damo verweistin seiner absoluten Einzigartigkeit auf jenes umfassende Spektrum der geistlichen Gemeinschaft Äthiopiens und den bedeutenden Stellenwert, den das Mönchstum in der koptischen Kirche Äthiopiens innehält.
Wie auch bei einigen anderen äthiopischen Klöstern ist den Frauen aus hauptsächlich religiösen Gründen der Zutritt zu dieser heiligen Stätte ganz verwehrt.
Das Kloster liegt auf einem vierundzwanzig Meter hohen Felsen, was den Zugang selbst zu einem Erlebnis werden lässt. Mönche lassen ein Sicherheitsseil herunter, das um die Taille gebunden zu wird und mit dessen Hilfe der Besucher die steile Felswand erklimmen kann.
Durch diese Unzugänglichkeit blieben die Kunstschätze von Debra Damo im Verlauf der 1400 Jahre dauernden Geschichte des Ortes erhalten.
Die Schätze umfassen eine weit reichende Sammlung illustrierter Handschriften, die teilweise nirgendwo anders in Äthiopien zu finden sind, und aufwändige Schnitzereien der hölzernen Bauteile, insbesondere der Kassettendecke der alten Kirche, um die herum das Kloster gebaut ist. Zu finden ist auch eine große Anzahl von Bildern einschließlich derer, die die Legende der Gründung von Debre Damo durch Abuna Aragawi beschreiben.
Die Gemeinschaft der Mönche lebt praktisch autark, da sie ausgewählte Getreidesorten anpflanzen und Schafe und Ziegen für ihren Milch- und Fleischbedarf züchten. Das Kloster hat auch seine eigenen Vorratskammern: vor Jahrhunderten tief unten in den Felsen gehauene, eindrucksvolle Höhlen, die an die Felsenkirchen von Lalibela erinnern.
Modernes Tigray
Auch wenn Axum die Vorherrschaft in der Vergangenheit innehatte, wurde später die Stadt Mekele zum Mittelpunkt der Macht, nämlich als sie den Rang als Hauptstadt des Kaisers Yohannes IV (1871 - 1889) zugewiesen bekam. Mekele ist auch die gegenwärtige Hauptstadt der Provinz Tigray.
Der Palast des Kaisers ist heute zu einem besonders interessanten Regionalmuseum mit vielen Ausstellungsstücken der Kaiserzeit und anderen historischen Exponaten umgestaltet worden.
Die Stadt ist außerdem bekannt als Station für Kamelkarawanen, die Salz aus den trockenen Gegenden der Danakil Depression hierher bringen. Daher ist der Marktplatz einen Besuch wert!
Unerschrockene Besucher können auch Exkursionen in die Danakil Wüste unternehmen, um Nomaden vom Stamm der Afar zu begegnen, die durch diese Gegenden ziehen.